• Klaus Ackermann

Der alte Flugplatz

Nachdem uns eine regelmäßige Leserin dieses Blogs gebeten hat, doch mal etwas über die abwechslungsreiche Geschichte des altes Flugplatzes zu erzählen, kommen wir dieser Anregung natürlich gerne nach.


Es begann damit, dass mit den großen Gebietszuwächsen des neuen Großherzogtums Baden Anfang des 19. Jahrhunderts und der Integration des entsprechend an Stärke zugenommenen „Badischen Heeres“ in das Bundesheer der „kleine“ Exerzierplatz an der Moltkestraße (später „Engländerplatz“ genannt, s. Beitrag vom 15. April) für die Übungen der Soldaten nicht mehr ausreichte. So wurden weiter westlich 75 Hektar des Hardtwaldes gerodet und ein rechteckiger Exerzierplatz angelegt. An seinem südlichen Ende entstanden später die heute noch existierenden Kasernengebäude.


Karte von 1912

(Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 565)

Als sich fast ein Jahrhundert später nach dem Erstflug der Gebrüder Wright 1903 die Fliegerei rasant entwickelte und auch in Karlsruhe begeisterte Flugpioniere ihre selbst gebauten Flugmaschinen testen wollten, bot sich für diese waghalsigen Experimente die Graspiste des Exerzierplatzes auch deshalb an, weil dieser schon seit 1909 als Anlegeplatz für Zeppeline diente.


Einer dieser tollkühnen Männer mit den fliegenden Kisten war Paul Senge, Schuhmachermeister aus der Körnerstraße. Nach seinen Versuchen mit selbstgebauten Flugapparaten legte er 1912 eine Fliegerprüfung ab und wurde so zum ersten badischen Piloten.

Mehrmals stürzte er ab und zog sich leichtere oder auch schwerere Verletzungen zu, was ihn aber nicht davon abhielt, weiterhin mutig seiner Leidenschaft für die Fliegerei nachzugehen. Und so kam es wie es kommen musste: Inzwischen als Testflieger engagiert, missglückte 1913 eine Notlandung und er verstarb an seinen Verletzungen. Der Name einer Straße in der Nordweststadt erinnert heute noch an ihn. Foto: Paul Senge mit seiner Flugmaschine auf dem Exerzierplatz (Stadtarchiv KA 8/PBS oXI 219)

Um Flugzeuge einem Praxistest zu unterziehen und vor allem zu prüfen, inwieweit sie den militärischen Anforderungen genügten, fanden ab 1911 im Deutschen Reich sogenannte „Zuverlässigkeitsflüge“ statt, die später auch nach dem Bruder von Wilhelm II. „Prinz-Heinrich-Flüge“ genannt wurden. An diesem jährlich stattfindenden Ereignis durften Offiziere, aber auch Zivilisten teilnehmen, jedoch überwog das Interesse an einer militärische Nutzung von Fluggeräten. Der Wettbewerb bestand aus Aufklärungsübungen und einem Flug, der über mehrere Stationen ging, so beispielsweise 1912 von Straßburg u.a. über Saarbrücken, Mainz, Frankfurt/Main und Karlsruhe nach Konstanz. Der Flugplatz im Nordwesten unserer Stadt war bei drei dieser Veranstaltungen eine Start- und Zieletappe, was selbstverständlich für die flugbegeisterte Bevölkerung Anlass für ein ausgelassenes Volksfest bot. Immer wieder kam es bei den Zuverlässigkeitsflügen zu Pannen und auch Abstürzen mit Todesopfern. Die Zeitschrift „Flugsport“, die in der Pionierzeit die Entwicklung des Fliegens begleitete, meldete beispielsweise im Mai 1914 etwas lapidar: „Der Prinz-Heinrich-Flug ist beendet. Leider haben vier hoffnungsvolle, tüchtige Offiziere ihr Leben lassen müssen. An Schneid hat es nicht gefehlt.“

(Foto: Jahrbuch der Luftfahrt, II.Jahrgang, München 1912)

1925 begann mit dem Bau einer Flugzeughalle für wenige Jahre ein regelmäßiger Flugbetrieb auf dem Karlsruher Flugplatz. Nach dem zweiten Weltkrieg bis 1993 wurde die inzwischen im Norden erweiterte Fläche allerdings zum nur sehr begrenzt genutzten Militärflugplatz der Amerikaner. Während dieser Zeit wurde ein Teil für den Bau der „Ami-Siedlung“, also der Wohnungen für die in Karlsruhe stationierten US-Soldaten und deren Familien, abgetrennt.

Blick nach Süden... .... und nach Norden (Fotos: davernos)


Nach den marschierenden Soldaten und den Pionieren der Lüfte gehört der Platz nun wieder der Natur, wenn auch nicht in ihrer ursprünglichen Ausprägung als Wald, sondern als Heidebiotop. Durch Trockenheit, Nährstoffarmut und eine über Jahrzehnte nur sehr geringe Nutzung entstand ein einzigartiger Lebensraum für viele, auch seltene Tiere und Pflanzen. Der Alte Flugplatz ist seit 2010 Naturschutzgebiet und durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU geschützt. Außer der Stadtverwaltung engagieren sich viele weiter Institutionen wie der BUND, der NABU, aber auch Tierhalter und zahlreiche Privatpersonen für die Erhaltung dieses wertvollen Naturschutzgebietes, damit der alte Flugplatz auch weiterhin ein hervorragendes Beispiel der Begegnung zwischen Mensch und Natur inmitten einer Großstadt bleibt.


Nun das Rätsel:

Der Förderer der Fliegerei im Deutschen Reich war Prinz Heinrich von Preußen, selbst ein Flugpionier der ersten Stunde. Schon 1910 erwarb er das „Flugmaschinenführer-Zeugnis“ mit der Nr. 38. Wodurch ist er sonst noch bekannt? Es sind mehrere Antworten möglich.

a) durch eine außergewöhnliche Barttracht

b) durch die Erfindung des Scheibenwischers

c) durch seine Mütze

d) durch ein Autorennen für Tourenwagen

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Lösung von gestern: Erst 1983 fiel das Zündholzmonopol.

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