• Klaus Ackermann

Als Werbung noch Reklame hieß

Beim Schmökern in alten Karlsruher Zeitungen entdeckt man viel Bekanntes, aber auch völlig Vergessenes: Firmen, die schon lange nicht mehr existieren, aber auch Produkte, die heute niemand mehr kennt. Oder wissen Sie auf Anhieb, was Sie mit einer Flasche „Philodermine Auxolin“ anfangen könnten? Soviel sei schon mal verraten: Sie könnten es sich in die Haare schmieren.


Doch nun erst noch kurz zur Historie der Werbung: Mit Einsetzen der Massenproduktion Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Konsum zu einem neuen Bestandteil der Lebenswelt, dessen Bedeutung bis heute immer mehr zunahm. Besonders Markenprodukte wurden immer wichtiger. So entwickelte sich parallel dazu die Werbung, die bis in die 30er Jahre überwiegend noch „Reklame“ genannt wurde. Erst durch die Nationalsozialisten wurde der angeblich jüdische Begriff „Reklame“ durch die „Werbung“ ersetzt.


Einen besonderen Stellenwert hatte damals noch die geschäftliche Werbeanzeige, die Annonce, in Zeitungen und Zeitschriften. Die Sprache war noch direkt und ließ keinen Zweifel aufkommen, dass das vorgestellte Produkt schlicht und einfach das beste war, auch wenn vieles heute in unseren Ohren eher schräg bis belustigend klingt.

Aber zurück zu „Philodermine Auxolin“. Es handelt es sich hierbei um ein Haarwasser der Seifenfabrik Friedrich Wolff in der Oststadt. Sie stellte seit den 1850er Jahren neben ihrem bekanntesten Produkt „Kaloderma“ (s. Beitrag vom 14.Mai 2020) allerlei Parfums, Düfte, Wässerchen, Cremes und andere wohlriechende Produkte her. Dabei ließen die kreativen Köpfe der Firma bei der Wahl der Produktnamen ihrer Fantasie freien Lauf: von „Violacea“ und „Divinia“ über “Odonta“, Niamah“, “Florasma“ bis eben zum Haarwässerchen namens „Philodermine Auxolin“, das garantiert „vegetabilisch“ war.

Auch für den Alltag der Hausfrau gab es schon kleine Helfer. Da wäre beispielsweise „Yehi“ aus Neureut. Das deutscheste aller Gewürze, dagegen die gute Köchin Curry, Ingwer und Paprika glatt vergessen konnte. Was allerdings sich genau hinter „Yehi“ verborgen hat, ist wohl im Lauf der Zeit verloren gegangen. Trotz intensiver Recherche war kein Päckchen davon mehr aufzutreiben.


Die Karlsruher „Spezialfabrik für Motorbau“ Karl Siefermann stellte unter anderem „Motorlokomobile“ her, die wohl vor allem die Arbeit in der Landwirtschaft erleichterten. Passierte bei dem Einsatz mal ein Unfall, dann half die badische landwirtschaftliche Genossenschaft, die mit erhobenem pädagogischen Zeigefinger darauf hinwies, aufgrund der begrenzten Mittel doch bitteschön äußerste Vorsicht walten zu lassen.

Um nicht zu verschlafen, gab es CEFOM bei Otto Müller in der Kaiserstraße. Die sichere, aber niemals "brutale" Repetier-Uhr hatte damals schon eine Schlummerfunktion, die also keine Erfindung der digitalen Neuzeit ist. Und das ganz außergewöhnliche an diesem Wecker steht auch in der Anzeige: Man braucht kein Streichholz mehr, um die Uhrzeit abzulesen!


Für die Hochzeitsausstattung sorgte Hoflieferant Emil Lembke mit seinem Laden am Friedrichsplatz. Damit die Kosten für die Leibwäsche der Braut und die „Cravatte“ des Bräutigams nicht aus dem Ruder liefen, erstellte der Chef selbstverständlich gerne „billigst gefertigte Voranschläge“.

Fiel einmal der schöne, „geschmackvolle Ofen“ der Fa. Junker&Ruh (damals noch Sophienstr., später Bannwaldallee) aus, dann half nur noch eins gegen die entstandenen Frostbeulen: Die Bestrahlungskur zu Hause mit einem Gerät aus der Samariter-Heillampenfabrik. Bei korrektem Einsatz war ein biblisches Alter in geistiger Frische garantiert! Die vier Farbglasbirnen halfen natürlich auch bei Hämorrhoiden und Haarausfall. Erhältlich in der Apotheke unseres Herrgotts, deren Adresse allerdings leider nicht genannt wurde.

Auch eine gesunde Lebensweise war schon damals aktuell, Reformhäuser hatten ein reichhaltiges Angebot aller Art für den gesundheitsbewussten Kunden. Ob dieser allerdings im Laden von Ludwig Neubert in der Kaiserstraße beim Kauf seine Gesinnung nachweisen musste, ist nicht überliefert.