• Corinna Wassermann

"Bermudadreieck" in Karlsruhe

In Zeiten der Coronakrise beschäftigt man sich mehr denn je mit seiner Nachbarschaft. Und ich wohne mitten im sogenannten "Bermudadreieck" von Karlsruhe.


"Wo soll denn das sein?", fragen Sie sich jetzt vielleicht. Und falls Sie wegen des Rheins an den Westen von Karlsruhe denken, so liegen Sie da leider faslch. Das Karlsruher Bermudadreieck hat nämlich nicht mit Wasser und Schiffen zu tun, sondern mit Häusern und Fahnen. Und mit Männern mit Mützen und farbigen Bändern, die an eine längst überholte Zeit erinnern.


Schon eine Ahnung? Die Rede ist von Studentenverbindungen. Und wie in allen deutschen Universitätsstädten gibt es sie auch in Karlsruhe, und zwar, wegen der Uninähe, vor allem in der Oststadt. Der Begriff "Bermudadreieck" ist geprägt durch eine der vielen Traditionen der Verbindungen: dem Bummeln. Dabei gehen Angehörige einer Verbindung in vollem Couleur (mit Band und Mütze in den jeweiligen Farben) zu einer anderen Verbindung und bitten dort um ein freundliches Bier. Dann wird gemeinsam getrunken und man zieht nach ein bis mehreren Bieren weiter zur nächsten Verbindung. Da es in der Oststadt so viele davon gibt, soll es schon vorgekommen sein, dass der ein oder andere in diesem Bermudadreieck verschollen ist.


Nun wohne ich mitten darin und bekomme doch kaum etwas davon mit. Manchmal sieht man sie auf der Straße, manchmal hört man sie singen, wenn eine Kneipe geschlagen wird. Dann säuselt ein "die Gedanken sind frei" durch die Nachbarschaft. Viele Menschen haben eine negative Einstellung zu Verbindungen. Sie seien alle rechts, würden über Seilschaften an Posten kommen und vor allem nur saufen und dann noch fechten und sich gegenseitig verletzen für die Ehre. Das gibt es auch, aber das machen bei weitem nicht alle! Es gibt sehr große Unterschiede zwischen ihnen.


Zunächst einmal unterscheidet man Corps, Burschenschaften, Landsmannschaften, Turnerschaften, musische Verbindungen und und und. Diese wiederum unterscheiden sich in Farben tragende – tragen die Bänder immer, zumindest bei offiziellen Anlässen -, Farben führende – hier gibt es nur eine Fahne mit den Farben/Couleur der Verbindung, es werden jedoch keine Bänder getragen - und sogenannte schwarze Verbindungen, die gar keine Farben haben.

Zudem gibt es pflichtschlagende Verbindungen (= akademisches Fechten) – hier MUSS gefochten werden und um aufgenommen zu werden muss eine sog. Mensur geschlagen werden - , fakultativ schlagende – d.h. es DARF gefochten werden, aber es besteht kein Zwang - oder nicht schlagende Verbindungen.


Manche nehmen nur Männer auf, andere nur Frauen und Gemischte gibt es ebenfalls. Was sie alle gemein haben: sie sind demokratisch aufgebaut – Conventprinzip - und sie bestehen aus einer Aktivitas (Studierende) und einer Altherrenschaft/Altmitglieder (gleichbedeutend Alumni), denn es herrscht das Lebensbundprinzip. Wer einmal dabei ist, soll möglichst lebenslang in der Verbindung bleiben, um später als Berufstätiger die Unterstützung, die er selbst im Studium erfahren hat, zurückzugeben in Form von Spenden, Einladungen, finanziellen Beiträgen zum Altherrenverein, der Aufwendungen der Studentenverbindung finanziert, oder durch Beratung und Unterstützung in Fragen individueller beruflicher Weiterentwicklung: der Lebensbund stellt generationsübergreifenden Austausch zwischen Studierenden und ehemaligen Studierenden her.


Mindestens einmal im Jahr gibt es eine Zusammenkunft von allen Mitgliedern zumeist zum Stiftungsfest – das ist quasi die Geburtstagsfeier der Verbindung. Dann wird gemeinsam gesungen, getrunken und sich untereinander ausgetauscht. Denn das ist der Urgedanke der Studentenverbindungen. „Verbindung“ sagt ja eigentlich schon alles, man verbindet sich mit anderen. Sowohl während des Studiums, wo man auch mal über den Tellerrand hinausschaut, weil man viele Studierende anderer Studiengänge kennenlernt, als auch mit Älteren, die das Studium schon hinter sich gebracht haben, und wertvolle Tipps geben können.


Einige Traditionen sind in die Jahre gekommen. In manche Häuser kommt man als Frau nicht mal hinein, wenn man einer anderen Verbindung angehört. Auch der Trinkzwang ist in einigen sehr traditionell eingestellten Verbindungen noch erhalten. Und viel bedenklicher: Derweil weht auch ein sehr nationaler Wind durch einzelne Verbindungen. Aber es gibt auch modernere und weltoffenere. Die meisten Verbindungen haben ein offen zugängliches Programm, wo einige Veranstaltungen, wie z.B. Vorträge, für jeden zugänglich sind. Eine Auflistung findet sich hier: http://www.cousin.de/cousin/karlsruhe/karlsruhe.html ------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Lösung von gestern: Antwort a) war richtig. Lanolin wird aus Schafwolle gewonnen.

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