Bunker + Zivilschutz am Bahnhof

9. Mai 1945 - nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Zumindest bereitete man sich recht schnell auf den nächsten vor. Der dann aber Gott sei Dank doch nicht kam.


Zur systemrelevanten Infrastruktur gehören außer Krankenhäusern, Polizei, Feuerwehr oder den Versorgungsbetrieben natürlich auch Verkehrseinrichtungen wie der Karlsruher Hauptbahnhof.

Noch während des 2. Weltkrieges wurden dort unter dem Bahnhsteig 11/12 zwischen dem Haupttunnel und dem Osttunnel zwei Bunker für die Reisenden im Luftalarmfall angelegt. Diese Bunker, inzwischen teils als Abstellraum genutzt, teils einfach leer stehend, modern dort seither vor sich hin, denn für die Bevölkerung wurde zwischen 1986 und 89 eine neue Zivilschutz-Mehrzweckanlage, sprich eine Tiefgarage auf der Südseite des Bahnhofs gebaut, die gleichzeitig ein Schutzraum für immerhin 4.062 Personen gewesen wäre (siehe auch Beitrag vom 11.4.).


Aber nicht nur für die Reisenden wurde Luftschutzraum benötigt, sondern auch für das Bahnpersonal, das den Bahnverkehr managen musste. Für dieses wurde der sogenannte "Kommandobunker" errichtet, zwischen dem Osttunnel und dem damaligen Posttunnel gelegen. Die Ausstattung des Kalten Krieges ist hier noch komplett erhalten, wenn auch seit Aufgabe des flächendeckenden Luftschutzkonzepts 2007 nicht mehr gewartet und von daher dem Verfall preisgegeben. Hier ein paar Einblicke:

Im Schleusenraum gleich hinter der Eingangstür eine Dusche, um sich, falls durch atomare, biologische oder chemische Waffen kontaminiert, abduschen zu können.

Küche, davor im Flurbereich eine Essecke (nicht im Bild)

Wassertanks

Büro mit vier Arbeitsplätzen (zwei davon nicht im Bild), vier Aktenschränke und vier Spinden für den persönlichen Bedarf

Schlafraum

Kombinierter Büro- und Schlafraum

Großraumbüro mit großer Pinwand an der Rückseite

Telefonanlagen

Das Warnamt VIII, zuständig für Baden-Württemberg, befand sich zunächst nur als Dienststelle von 1956 - 1960 in Stuttgart, vom 1960 bis 1968 dann das erste provisorische Warnamt in Bildechingen bei Horb und ab 1968 schließlich endgültig in Rottenburg, bis es 1994 aufgelöst wurde. Noch bevor alle endgültigen Warnämter fertig gestellt und eingerichtet waren, kam es zum ersten realistischen Vorwarnfall des Warndienstes in der Bundesrepublik. Während der Kuba-Krise blieb das Personal des Warndienstes vom 24. bis 29. Oktober 1962 fünf Tage und Nächte lang ununterbrochen im Einsatz und alle Warnleitungen im Bundesgebiet waren geschaltet. Bei diesem  einzigen, wirklichen Ernstfall sollte es auch bleiben. 

Relaisraum

Lüfterraum mit Lüftern und Schutzfiltern

Notstromagregat mit Tank

großer Reservetank


Notausstieg hoch zum Bahnsteig 11/12

Nicht zu vergessen das Krankenzimer


Und zum Abschluss noch einmal einen Blick durch die gesamte Anlage.


-------------------------------------------------------------------------------------------------------------Lösung von gestern: Die Antwort b) ist richtig, leider wurde die Inschrift versehentlich einfach weggeputzt. Dumm gelaufen.

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