Die Amerikaner in Karlsruhe

8. Mai - Kriegsende. Für Karlsruhe war der Krieg da schon längst vorbei, denn die Stadt wurde von den französischen Truppen bereits am 4.4.45 quasi kampflos erobert (siehe Beitrag vom 13.4.). Karlsruhe lag jedoch nicht in der für Frankreich vorgesehenen Besatzungszone, so dass die Franzosen die Stadt, wenn auch sehr unwillig, am 7.7. räumten und die Amerikaner in die Stadt einzogen. Welche Spuren haben die Amerikaner außer der Siedlung an der Erzberger Straße in Karlsruhe hinterlassen, wollte eine stattreisen-Teilnehmerin wissen. Dieser Frage wollen wir im heutigen Beitrag nachgehen.

Viele Gebäude, die die Amerikaner genutzt hatten, stehen natürlich noch heute: z.B. der erste Sitz der Militärregierung war im Gebäude der Hauptpost, der heutigen Postgalerie, und das Hauptquartier der 7. US-Army zog in die Zentrale der Karlsruher Lebensversicherung, dem heutigen Rathaus West. Die wenigsten Gebäude hatten die Amerikaner damals neu gebaut (mit Ausnahme der "Ami-Siedlung" an der Erzberger Straße), sondern nur umgenutzt. Hinweise auf diese Nutzung sind aber heute nur noch selten zu finden, wie z.B. hier am Städtischen Klinikum, das den Amerikanern als Lazarett diente.

Auf die damaligen vier amerikanischen Kasernen, von denen aber nur eine in Neureut Kirchfeld-Nord von den Amerikanern neu gebaut, der Rest hingegen von der Wehrmacht übernommen wurde, möchte ich in diesem Artikel nicht weiter eingehen; Infos dazu finden Sie hier: https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/stadtgeschichte./Spuren-nach-dem-Zweiten-Weltkrieg-Die-Besatzung-der-US-Streitkraefte-in-Karlsruhe;art6066,2244205


Und auch auf die fünf GYA-Häuser in Karlsruhe weist leider keine Infotafel mehr hin. GYA war die Abkürzung für German Youth Activity. Es handelte sich um Jugendclubs, die ab ca. 1947 für die deutschen Jugendlichen geschaffen wurden, um diese von der Straße zu holen und sie in Richtung Demokratie zu erziehen. Es gab dort Sport- und Bastel-/Handwerksangebote, Debating Clubs (Erlernen von geregelter Diskussion als Basis für Demokratie), Filmvorführungen, Ausflüge, Sommerlager, kleine Geschenke und vor allem kostenloses Essen. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland lief dieses Programm aus und sollte durch ein deutsches Jugendzentrum ersetzt werden: 1954 eröffnete das Anne-Frank-Haus am Engländerplatz. Das Geld dafür kam u.a. aus einer Lotterie, die die GYA-Häuser veranstaltet hatten. Die Ziehung der Gewinne erfolgte im Haus in der Weinbrennerstraße Ecke Körnerstraße.

Ehemaliges Civic Center des GYA-Programms in der Weinbrennerstraße 18 Ecke Körnerstraße

Weitere Einrichtungen dieser Art gab es in der Ludwig-Marum-Straße 3, in der Ludwig-Marum-Straße 4 (Boy Center), in der Schubertstr. 4 (Girls Club) und in Durlach.

Aber wie gesagt, Spuren davon gibt es nicht mehr. Von daher war die bis zum Winter 2007/08 existierende Inschrift an der Hans-Thoma-Schule (Markgrafenstr. Ecke Kreuzstraße) in der Nähe des Lidellplatzes eines der wenigen Relikte, das viele Jahrzehnte überdauert hatte:

THIS AREA IS OFF LIMITS TO ALL AMERICAN AND ALLIED PERSONELL

Dieses Areal ist verboten für alles amerikanische und alliierte Personal

Hintergrund: Die amerikanischen GIs sollten vom Rotlichtviertel und dem Schwarzmarkt (am Rüppurrer Tor, später im Nymphengarten) ferngehalten werden. Man fürchtete um die Gesundheit der Truppe durch Geschlechtskrankheiten.

Warum sind seit dem Winter 2007/08 von der Inschrift nur noch winzige Farbpartikel am Stein zu sehen, während der Schriftzug selber leider verschwunden ist?

a) Der besonders harte Winter mit viel Schnee erforderte den Einsatz von mehr Streusalz als üblich. Plötzliches Tauwetter in Verbindung mit Regengüssen führte zu riesigen Pfützen. Autos und andere Fahrzeugen spritzten beim Durchqueren der Wasserlachen das salzige Wasser an die Hauswand, so dass sich die Farbe der Inschrift auflöste.

b) Die Hans-Thoma-Schule war mit wenig künstlerischem Graffiti verunziert worden, weshalb der Hausmeister einen darauf spezialisierten städtischen Putztrupp mobilisierte, der das Graffiti entfernen sollte. Der leistete ganze Arbeit - und entfernte dabei auch gleich die historische Inschrift mit.

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