• Klaus Ackermann

Die Gruppe „Rih“

Im Februar 1919, in einer Zeit also, in der nach der Ausrufung der Republik die Gesellschaft in vielen Bereichen zu neuen Ufern aufbrach, trafen sich sieben ehemalige Studenten der „Großherzoglichen Badischen Kunstschule Karlsruhe“, um einen Künstlergruppe zu gründen, deren Ziel es war, auch in der Kunst neue Wege zu gehen, mit ihrer Kunstvorstellung zu provozieren und traditionelle Konventionen hinter sich zu lassen. Wladimir von Zabotin, Rudolf Schlichter, Georg Scholz, Eugen Segewitz, Walter Becker, Egon Itta und Oskar Fischer waren entschlossen, mit ihren Werken, die dem Expressionismus oder dem Dadaismus zugeordnet werden können, der eher konservativen Karlsruher Kunstszene etwas entgegen zu setzen. Zunächst nannte sich die Gruppe „Ost-West“.


Von Wladimir Zabotin gestaltetes Plakat für eine Ausstellung der Gruppe Rih, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Privatbesitz München








Kurz vor der Eröffnung ihrer ersten Ausstellung entschloss sich die Gruppe der Karlsruher Kunst-Avantgardisten jedoch, ihren Namen in „Rih“ zu ändern. Wahrscheinlich war dies dem großen Karl-May-Fan Rudolf Schlichter zu verdanken, der sich den Hengst von Kara Ben Nemsi mit dessen ungestümen Temperament zum Vorbild für die Gruppe nahm.

Die Eröffnung der Ausstellung fand bereits am 1. April 1919 in der Galerie Moos statt und löste in der beschaulichen Residenzstadt prompt einen kleinen Skandal aus. Der Galerist Iwan Moos betrieb mit seinen Geschwistern zu dieser Zeit in der Kaiserstraße 187 die erfolgreichste Galerie der Stadt. So konnte er es sich leisten, auch jungen Künstler eine Plattform zu bieten. Über den provokanten Auftritt der Künstlergruppe lässt sich in Carl Zuckmayrs Autobiographie nachlesen. Dort beschreibt er, wie er bei seinen Besuchen in Karlsruhe den Weg zur Gruppe Rih fand, indem er den Phallussymbolen folgte, die überall zusammen mit dem Namen der Gruppe mit Kreide auf die Hauswände gezeichnet waren.


Selbst im badischen Landtag war die Gruppe Rih ein Thema. Die provokativen Themen und die neue Formensprache wurden diffamiert, als dilettantisch oder sogar als Werke von Geisteskranken bezeichnet. Es war der SPD-Abgeordnete und Kunstfreund Ludwig Marum, der die Künstler im Landtag verteidigte und um Verständnis für moderne Kunstrichtungen warb.

Insgesamt gab es fünf Ausstellungen der Gruppe Rih, davon zwei in Karlsruhe, bevor sie sich schon im Sommer 1920 wieder auflöste. Die teilweise sehr exzentrischen Künstler gingen wieder eigene Wege. Dort, wo die zweite Karlsruher Ausstellung der Gruppe 1920, also vor genau 100 Jahren, stattfand, nämlich im Haus des Badischen Kunstvereins in der Waldstraße, erinnert bis heute der Name des Cafés an die Künstlergruppe: „Rih“.

(Fotos: davernos)

Und hier die Rätselfrage:

Rih ist ein arabisches Wort. Was heißt Rih eigentlich auf deutsch?

a) Pfeil

b) Blitz

c) Wind

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Lösung von gestern:

Alle drei Vereine wurden von Bensemann gegründet, als erstes jedoch der International Footballclub. Langfristig überlebt hat jedoch nur der KFV.

International Footballclub 1889

Karlsruher Fussballverein (KFV) 1891

Karlsruher Kickers 1893

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