Die Königin von Hawai'i besucht Karlsruhe
- Oliver Albrecht

- 27. Apr. 2020
- 2 Min. Lesezeit
Heute wollen wir uns mit einem wahrhaft exotischen Kapitel der badischen Geschichte befassen: Den Beziehungen des Großherzogtums Baden zum Königreich Hawai‘i im 19. Jahrhundert. Die waren enger als man vielleicht vermuten würde. Aber der Reihe nach:
Begründet wurde das Königreich Hawa‘i im Jahr 1795. König Kamehamea I. beherrschte ab 1810 sämtliche Inseln der pazifischen Inselgruppe. Von Anfang an war aber die Unabhängigkeit des Königreichs immer wieder bedroht, insbesondere der Einfluss der USA wurde ab 1850 immer größer.
Um dem entgegen zu wirken, verstärkten die Könige von Hawai’i zunächst die Verbindungen mit Großbritannien. Aber auch mit anderen europäischen Staaten, etwa mit Preußen und Belgien, nahm man diplomatische Beziehungen auf.

Königin Emma von Hawai’i (1836-1885) hatte englische Wurzeln und stand in engem Austausch mit der britischen Königin Victoria. Auf deren Vermittlung verbrachte Königin Emma nach dem Tod ihres Gemahls, König Kamehamea IV, im Winter 1865/1866 einige Monate als Gast der Großherzoglichen Familie in Karlsruhe. Emma gefiel es offenbar gut am badischen Hof; nach ihrer Abreise traf im Juni 1866 eine Note des hawaianischen Außenministeriums in Karlsruhe in, in dem der innige Dank der Königin für die freundliche Aufnahme zum Ausdruck gebracht wurde.
Königin Emma von Hawai'i
Man war auch übereingekommen, die Beziehungen zwischen Hawai’i und Baden dauerhaft zu vertiefen und beschloss, in Karlsruhe eine diplomatische Vertretung des Königreichs zu eröffnen. Als Konsul wurde der Schwager von Königin Emma, der aus Landau in der Pfalz stammende Eugen Hasslocher, ausersehen. Hasslocher war ein Weltenbummler und Abenteurer, den es nach Hawai’i verschlagen hatte. Dort war er in die Armee eingetreten, hatte es bis zum Major gebracht und schließlich sogar in die königliche Familie eingeheiratet. Am 8. Juni 1866 wurde er als Königlich Hawaianischer Konsul am badischen Hof akkreditiert.
Da man nun mit der Vertretung in Karlsruhe ein Standbein in Süddeutschland hatte, wollte man in Hawai’i auch Beziehungen zu weiteren Staaten in dieser Region knüpfen. Und so erweiterte sich der Zuständigkeitsbereich von Konsul Hasslocher bald auch auf Württemberg, Bayern und Hessen. Schon 1869 wurde die Vertretung zum Generalkonsulat aufgewertet und es wurde zur Unterstützung und Vertretung Hasslochers ein Vizekonsul eingesetzt. Dabei handelte es sich um den Karlsruher Bankier Heinrich Müller, der als Vorstand der Handelskammer und Stadrat zu den Honoratioren der Residenzstadt gehörte.
Nach der Reichsgründung 1871 wurden die meisten auswärtigen Gesandtschaften in Karlsruhe aufgehoben. Auch der zwischenzeitlich zum Geschäftsträger des Königreichs Hawai’i beförderte Major Hasslocher war davon betroffen. Er wurde von seinem Posten abberufen, zum Abschied verlieh ihm Großherzog Friedrich I. noch das Komturkreuz – allerdings nur 2. Klasse. Über diese vermeintliche Herabsetzung beschwerte sich der Major beim Großherzoglichen Haus, wurde von dort aber beschieden, dass ihm als Vertreter eines kleinen Staates ein Orden 1. Klasse nicht zustehe.

Verärgert reiste Hasslocher aus Karlsruhe ab. Zurück blieb Vizekonsul Müller, der dem Konsulat bis zu seinem Tod im Jahr 1895 vorstand. Wenig später annektierten die USA die Inselgruppe Hawai'i und verleibten sie ihrem Staatsgebiet ein. Damit war dieses exotische Kapitel der badischen Landesgeschichte beendet.
Und nun zu unserer heutigen Rätselfrage:
In welchem Jahr annektierten die USA die Inselgruppe Hawai'i ?
Konsul Heinrich Müller

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