• Oliver Albrecht

Die Zarin hat Heimweh

Der hinter dem Naturkundemuseum gelegene Nymphengarten fristet im Bewusstsein vieler Einwohner und Besucher unserer Stadt ein gewisses Schattendasein. Das mag daran liegen, dass der lauschige Eindruck dieser kleinen Parkanlage seit vielen Jahrzehnten vom Verkehrslärm der angrenzenden Kriegsstraße getrübt wurde. Dabei lohnt sich ein Besuch dort nicht nur wegen des namensgebenden Nymphenbrunnens, der 1891 hier installiert wurde. Es findet sich dort auch ein Gedenkstein, der an die badisch-russischen Beziehungen erinnert, die bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs stets sehr eng waren.



In Stein gemeißelt steht dort folgender Text:

Du kleiner Ort, wo ich das erste Licht gesogen

Den ersten Schmerz, die erste Lust empfand

Sei immerhin unscheinbar, unbekannt

Mein Herz bleibt ewig doch vor allem Dir gewogen.

Fühlt überall nach Dir sich heimlich hingezogen

Fühlt selbst im Paradies sich noch aus Dir verbannt.


Es handelt sich um einen Vers aus Christoph Martin Wielands Gedicht „Oberon“, mit dem die Zarin Elisabeth von Russland ihren Gefühlen für die alte Heimat Ausdruck verlieh. Elisabeth war 1779 als Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden und seiner Gemahlin Amalie von Hessen-Darmstadt in Karlsruhe geboren worden. Ihren Taufnamen Luise hatte sie anlässlich Ihrer Vermählung mit dem russischen Großfürsten und späteren Zaren Alexander I. 1793 abgelegt und war zum russisch-orthodoxen Glauben konvertiert. Seither wurde sie Elisabeth Alexejewna genannt.


Im Zuge der Befreiungskriege gegen Napoleon folgte Elisabeth ihrem siegreichen Gatten nach Deutschland und kehrte nach über 20 Jahren Abwesenheit im Frühjahr 1814 erstmals wieder nach Baden zurück. Im Bruchsaler Schloss traf sie zunächst ihre Mutter, die Markgräfin Amalie, wieder. Später lernte sie in Karlsruhe dann auch ihre Schwägerin kennen, Großherzogin Stéphanie, die Adoptivtochter Napoleons. Eine überaus delikate Begegnung angesichts der Tatsache, dass Zar Alexander gerade im Begriff war, den Kaiser der Franzosen vor Paris zu besiegen. Das Zusammentreffen soll auch entsprechend frostig verlaufen sein. Ansonsten war Elisabeth aber vollkommen erfüllt von der alten Heimat. Sie suchte die Stätten ihrer Kindheit auf, unternahm Ausflüge nach Baden-Baden und in den Schwarzwald und schwelgte in nostalgischen Erinnerungen. Im Juli 1814 traf nach dem Sieg über Napoleon auch Zar Alexander in Baden ein, wo er begeistert empfangen wurde.

Einige Wochen später trat Zarin Elisabeth dann schweren Herzens die Reise nach Wien an, wo Ihr Gemahl mit den anderen Vertretern der siegreichen Allianz die Neuordnung Europas aushandeln sollte. Als Erinnerung an ihren glücklichen Aufenthalt in Karlsruhe hatte sie noch unseren Gedenkstein im heutigen Nymphengarten aufstellen lassen. Den wehmütigen Vers von Wieland hatte sie ausgewählt, weil sie fest davon ausging, die alte Heimat nie mehr wieder zu sehen. Das war allerdings ein Irrtum: Denn während die gekrönten Häupter Europas auf dem Wiener Kongress noch verhandelten, verließ im März 1815 Napoleon sein Exil auf der Insel Elba. Wieder war also Krieg zu führen, wieder kehrte Zar Alexander nach Baden zurück und so traf auch Elisabeth nur wenige Monate nach ihrer Abreise erneut in Karlsruhe ein.

Zum letzten Mal weilte das Zarenpaar im Winter 1818/1819 in Baden. Elisabeth hatte sich vorher bei ihrem Gemahl für den Erhalt ihrer Heimat eingesetzt, die unmittelbar bedroht war, weil der todkranke Großherzog Karl keinen männlichen Nachkommen hatte, der allein erbfolgeberechtigt gewesen wäre. Auf dem Aachener Fürstenkongress 1818 hatte Zar Alexander darauf hin durchgesetzt, dass die nicht ebenbürtigen Söhne aus der zweiten Ehe des Markgrafen Karl Friedrich als erbfolgeberechtig anerkannt wurden. Damit war Baden gerettet und der Zar und die „badische“ Zarin Elisabeth wurden in deren alter Heimat dafür hymnisch gefeiert.


Elisabeth konnte ihren Bruder, Großherzog Karl, noch an seinem Sterbebett besuchen, bevor er im Dezember 1818 im Alter von nur 32 Jahre verstarb. Im Januar 1819 verließ die Zarin Karlsruhe für immer und kehrte nach Russland zurück. Sie starb dort im Mai 1826.

Und nun zu unserer heutigen Frage:


Unter welchem Namen war der heutige Nymphengarten bekannt, als Zarin Elisabeth 1814 den Gedenkstein dortaufstellen ließ?

a. Markgrafengarten

b. Erbprinzengarten

c. Kurfürstengarten






Zar Alexander I.

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