• Oliver Albrecht

Ein badisches Venedig am Knielinger See

Liegt Karlsruhe am Rhein? Klar, könnte man sagen, immerhin gibt es hier einen großen Rheinhafen. Aber irgendwie auch nicht so richtig, denn wahrgenommen wird der Fluss im Stadtbild nicht. Eine Rheinpromenade wie in Köln oder Mainz sucht man in unserer Stadt vergeblich.


Industrie- und Hafengebiete prägen das Bild am Ufer – von Rheinromantik keine Spur ? Nicht ganz. Denn eingerahmt von Hafen und Ölraffinerie befindet sich hier auch ein idyllisches Naturschutzgebiet, die Burgau und der Altrhein Maxau. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Überflutungsaue des Rheins, die von mehreren alten Rheinschlingen geformt wurde.


Dazu gehört auch der Knielinger See. Er entstand aus einer Kiesgrube, die in den 1950er angelegt wurde. Das Gelände befand sich damals im Eigentum der Markgräflich Badischen Hauptverwaltung. Diese erhielt von der Stadt Karlsruhe im Jahr 1957 die Genehmigung zum Kiesabbau. Vertraglich wurde dabei vereinbart, dass der See „eine gefällige, dem natürlichen Landschaftsbild angepasste Linienführung erhält“. Außerdem sei der See und seine Umgebung für die Allgemeinheit zugänglich zu machen, auch Wassersport solle möglich sein. Die Lokalpresse schwärmte damals schon von einem Karlsruher Zukunftssee, von einem Strandbad dort war die Rede oder auch von einem Golfplatz, der sich rund um den See erstrecken sollte.

Rheinufer und Knielinger See


Der gigantomane Höhepunkt dieser Zukunftsvisionen war aber die Rheinstadt, die am Ufer des Knielinger Sees in den 1960er Jahren errichtet werden sollte. Als eine Art badisches Venedig sollten in der Rheinstadt drei vom Wasser umgebene kreisförmige Stadtteile mit vierzehn- bis zwanziggeschossigen Wohnbauten für jeweils rund 9.000 Menschen entstehen. Die Wohnstraßen sollten autofrei sein, dafür waren unter den Wohninseln riesige Tiefgaragen geplant. Der Straßenbahnanschluss in die Rheinstadt sollte über die heute zum Betriebshof West verlaufende Trasse verlaufen und an der Südtangente war ebenfalls eine Anbindung geplant, die im Stadtplan von 1965 bereits eingezeichnet wurde.

Modell der geplanten Rheinstadt


All diese Szenarien für den Knielinger See lösten sich aber nach kurzer Zeit in Luft auf. Die Planungen für die Rheinstadt wurde aus Kostengründen und wegen des einsetzenden Bevölkerungsrückgangs in Karlsruhe 1970 eingestellt. Und der immer tiefer ausgebaggerte See entwickelte sich zum ökologischen Problemfall: Sauerstoffmangel, vor allem in den tieferen Wasserlagen, verursachte ein massives Algenwachstum, so dass der See immer wieder „umzukippen“ drohte. An Wassersport oder Badevergnügen war deshalb nicht zu denken. Um den Sauerstoffgehalt zu erhöhen, wurde der See von 2013 bis 2016 für ca. 4,6 Mio Euro saniert. Heute ist der Knielinger See als Teil des Naturschutzgebiets besonders geschützt und all die hochfliegenden Pläne der Vergangenheit sind Makulatur.


Aussichtsterrasse beim Hofgut Maxau


Vor einigen Jahren wurde von der Stadt Karlsruhe ein neuer Anlauf gestartet um die Attraktivität des Karlsruher Rheinufers zu steigern. Im Zuge der Bewerbung für die Bundesgartenschau 2015 wurde eine Planungskonzeption „Landschaftspark Rhein“ entwickelt. Eingebettet in einen überregionalen Pamina Rheinpark sollte eine durchgängige Naherholungslandschaft auf Karlsruher Gemarkung geschaffen werden. Aus der Bundesgartenschau wurde zwar nichts, der Rheinpark soll nach dem Willen des Gemeinderats aber trotzdem verwirklicht werden. Am 2. Mai 2012 wurde der erste Baustein offiziell eingeweiht: Südlich der Rheinbrücke können seither eine „Mehrgenerationen-Spielanlage“, eine Aussichtsterrasse und mehrere Sitzpodeste mit Blick auf den Rhein genutzt werden. Gastronomische Stärkung bietet das dahinterliegende Hofgut Maxau mit seinem großen Biergarten. Das ursprüngliche Konzept der Bundesgartenschau sah einen durchgehenden Grünzug vom Turmberg bis zum Rheinufer vor. Der lässt zwar noch auf sich warten, mit dem Landschaftspark am Rhein ist aber ein Anfang gemacht, die Stadt zum Fluss hin zu öffnen.

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