Zivilschutz in Karlsruhe

Eine stattreisen-Teilnehmerin fragte, wie in früheren Zeiten mit Krisen umgegangen wurde. Zum einmonatigem "Jubiläum" der Corona-Pandemie-Ausrufung durch die WHO deshalb heute einen Blick zurück in historische Krisenvorsorge: Schauen wir uns die Zeit des Kalten Krieges an, in der in ganz Deutschland und somit auch in Karlsruhe der Zivilschutz ausgebaut wurde.

Schon ab 1952 war in Deutschland ziviler Luftschutz durch die Westalliierten wieder erlaubt worden, während Bundeswehr und Wiederbewaffnung erst 1955 starteten. Entsprechend wurden ab Mitte der 50iger Jahre, verstärkt jedoch nach der Kubakrise 1962, im ganzen Land zivile Schutzräume für die Bevölkerung errichtet. Im Regelfall handelte es sich um sogenannte Zivilschutz-Mehrzweckanlagen, d.h. um normale Tiefgaragen, die gleichzeitig dem Zivilschutz dienten.

Einfahrt in eine Tiefgarage - man beachte die dicken braunen Strahlenabschlusstüren an beiden Seiten. Nach Schließung dieser Türen, die quasi eine Wand ersetzt hätten, wäre der Schutzraum nur noch über Schleuseneingänge betretbar gewesen.


Der eigentliche Schutzraum, in dem die Bevölkerung gesessen, geschlafen, auf die Toilette gegangen und sich gewaschen hätte, war die Tiefgarage selber (die Autos hätten natürlich zuvor entfernt werden müssen); in den Nebenräumen befanden sich die Lüftungsanlage und die Raumfilter, je nach Größe der Anlage auch ein Notstromagregat + Öltank. Außerdem Lagerräume für Campingklos, Wasserbehälter, Bausätze für Bänke und Liegen etc. Diese wären dann in der Garage aufgebaut und aufgestellt worden. - Essen (und hoffentlich auch Klopapier!) sollten im Krisenfall kurzfristig in die Schutzräume eingelagert werden.


1. Bild: Raumfilter, 2. Bild: Waschrinnen, 3. + 4. Bild: Bauteile für Sitze und Liegen, 5. Bild: aufgebaute Sitzbank, 6. + 7. Bild: Plane Trinkwasserbehälter


Und hier noch ein paar Photos zur Toilettenfrage:


1. Bild: chemische Toiletten, 2. Bild: aufgebaute Toilette, 3. Bild: in der Toilette wäre jedoch keine Chemie, sondern nur ein kleiner Müllbeutel (= Einmaleinsatzbeutel) gewesen, 4. Bild: Die gefüllten Einmalbeutel wären dann in die großen blauen Müllbeutel (= Sammelbeutel) entsorgt worden

Die Belegung des Schutzraums war für 14 Tage geplant. Man hoffte, dass nach dieser Zeit chemische, biologische oder radioaktive Stoffe aus der Luft größtenteils wieder verschwunden gewesen wären.

In Karlsruhe gab es über 30 von diesen Kombitiefgaragen, dazu noch einige Schutzräume ohne Garagenfunktion und sechs umgerüstete Bunker aus dem 2. Weltkrieg. Außerdem den Kriegs-OP-Bunker neben der Landesfrauenklinik (heute Psychiatrie des Städtischen Klinikums), der 1983 nach Entfernung der medizinischen Ausstattung die Stabstelle der Stadt Karlsruhe für den Verteidigungsfall hätte aufnehmen sollen (Oberbürgermeister und Mitarbeiter, Amt für Zivilschutz, Feuerwehr). Eine Liste der Schutzräume in Karlsruhe und in allen anderen deutschen Städten finden Sie hier: www.geschichtsspuren.de

Nach dem Mauerfall 1989 wurden keine neuen Schutzräume mehr genehmigt, jedoch noch geplante fertig gestellt, so dass die letzten Schutzräume Anfang der 90iger Jahre errichtet wurden. Finanziert wurden die Zivilschutzbauten vom Bund, denn für den Zivilschutz (im Verteidigungsfall), ist das Bundesinnenministerium zuständig. Der Katastrophenschutz (wenn also KEIN Krieg herrscht) ist in Deutschland hingegen Ländersache.

Bis 2007 wurden die Zivilschutzeinrichtungen regelmäßig gewartet, danach das flächendeckende Schutzraumkonzept jedoch aufgegeben. Seitdem versucht die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Bunker zu veräußern und immer mehr Eigentümer von Tiefgaragen haben die offizielle Entwidmung der Schutzräume beantragt. Ist diese erfolgt, müssen die beweglichen Teile aus den vom Zivilschutz genutzten Nebenräume von der Feuerwehr entfernt werden und der Eigentümer kann nun nach Belieben bauliche Veränderungen an den Räumlichkeiten vornehmen. Wir denken jedoch, dass es sinnvoll wäre, mindestens zwei Einrichtungen dieser Art pro Stadt für die Nachwelt zu erhalten! Fragen des Tages: Wie dick war wohl die Decke der Schutzräume? o 6 m

o 2 m

o 40 cm

Wie viel Prozent der Karlsruher Bevölkerung hätte damals einen Platz in einem Schutzraum bekommen?

o 77 %

o 23 %

o 2 %

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